J.A.F. triumphieren beim zweitkältesten Ice Marathon aller Zeiten

Fertig eingepackt in die Funktionskleidung setzte sich Team J.A.F. mit Managerin Anna zeitlich ein wenig knapp bemessen ca. 20min vor dem Start in Bewegung. Anna blieb als Fotografin und Verpflegungsstation unterwegs an der Strecke, um einen geeigneten Punkt zu finden. Schließlich kennt sie sich ja hier aus.
Wir nutzten den Weg zum Warmlaufen und um die Nervosität herunterzufahren, was von der Temperaturanzeige am Start direkt zunichte gemacht wurde: -30 Grad Celsius, damit offiziell der zweitkälteste Lauf aller Zeiten! Wir passierten die Anzeige mit mulmigem Gefühl, um noch die Rucksäcke wie am Vortag zugesichert, im Meldebüro zu deponieren. Dort wurden wir auf freundlichem Russisch darauf hingewiesen, dass wir sie in der Zentrale in der uliza Lenina 1, ca. 500m Luftlinie von dort, hätten abgeben sollen. Spannenderweise drei Minuten vor dem Start. Auch hier war uns das Glück in Form einer netten, daunenjackenumhüllten Russin hold, welche sich anbat, sich um die Deponierung im Meldebüro zu kümmern. Somit konnten wir etwas entspannter den Weg zum Start antreten.
Kurz vor dem Start stellte Jens fest, dass er einen unwesentlichen Teil der Ausrüstung noch im Rucksack hatte. Aber wer kann auch ahnen, dass man die Startnummer zum Lauf mitnehmen muss. Er schaffte es aber, rechtzeitig wieder zurück sein, sodass wir noch einen kurzen Moment für ein Startfoto hatten. Wir hatten uns vorgenommen zusammen ins Ziel zu kommen und eine Zielzeit von 1h 40 min angepeilt. Angeheizt von russischer Folkloremusik passierten wir mit überwältigenden Gefühlen die Startlinie, ein wenig ausgeblendet, dass uns nun tatsächlich 21,1km bei klirrender Kälte blühen.

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Bereits in der ersten Runde kristallisierten sich bei Jens technische Probleme am Chassis heraus, welche ihn letztendlich zu der Entscheidung brachten, uns mit einem "Für Deutschland, Jungs" vorauszuschicken, damit wir die angestrebte Zeit zumindest zu zweit nach Hause bringen.

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Im weiteren Verlauf des Rennens stellte sich unsere Kleidung als durchaus kälteresistent heraus, jedoch machten uns zumindest Handschuhe und Teile der Kopfbedeckung zu schaffen. Die letzte Runde war für alle drei Läufer unseres Teams kein Spaziergang mehr. Falko hatte frostige FIngerkuppen, Alex verspürte stechenden Schmerz in den Ohrläppchen und Jens war quasi als EISerner Zinnsoldat unterwegs, da der Schweiss schockgefrostet in der Kleidung hing.

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Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als nach der letzten Kurve das Ziel vor uns auftauchte. Umso erstaunlicher war die mitlaufende Zeituhr oberhalb der Ziellinie, welche uns durch die zugefrorenen Wimpern eine 1:34 signalisierte. Derartige Hormonausschüttungen sind uns bisher nur aus sehr wenigen Situationen im Leben bekannt. Falko und Alex überquerten die Ziellinie in 1:34:34 Bruttozeit., was weit über den Erwartungen lag und besonders für unseren Halbmarathonneuling Falko eine unbeschreibliche Leistung darstellt. Man überreichte uns unsere hölzernen Finishermedaillen, welche wir wohl die nächsten Wochen auch zum Duschen und Schlafen nicht abnehmen werden.

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Direkt im Ziel entschlossen sich die beiden, Jens (auf der letzte Runde unterwegs) entgegenzulaufen, um ihn mental ins Ziel zu tragen und das Versprechen des gemeinsamen Zieleinlaufs einzulösen. In diesem Moment wussten wir, wie kalt es heute tatsächlich war, da die Adrenalinausschüttung, die während des Laufens einiges kaschiert, nicht mehr vorhanden war. Als Jens dann am Horizont auftauchte, flankierten wir ihn auf beiden Seiten und trugen ihn mit guten und teilweise auch dämlichen Zusprüchen bei 1:57:50 brutto über die langersehnte Ziellinie.
Nach einigen gegenseitigen Liebkosungen (wahre Liebe gibt es nur unter Männern) unter den Augen unserer mit Stolz erfüllten Managerin suchten wir den schnellsten Weg zum Meldebüro und den Wechselklamotten, da bereits die ein oder andere Unterwäsche Funktion verlor aber dafür an manchen Körperstellen bereits anzufrieren begann.
Angekommen im Büro begrüßte uns die freundliche und stets zu Auskünften bereite Fachangestellte für Gepäckaufbewahrung mit den Worten: keine Rucksäcke da (aus dem Russischen frei übersetzt), was uns erneut kurz das Blut in den auftauenden Adern gefrieren ließ. Auch hier waren wir erneut dankbar für Annas Hilfe, da sie in einer kurzen aber deutlichen Ansage den Mitarbeitern vermittelte, den Verbleib der Rucksäcke zu prüfen. Dies konnte von einem im Nebenzimmer anwesenden Mitarbeiter prompt bestätigt werden, sodass wir uns endlich vom Eis befreien konnten. Anna organisierte derweil ein Taxi, was ca. 15min später in Form eines ca. 30 Jahre alten, 71-PS-starken, weißen Lada 1500 auftauchte. Aufgrund der Straßensperrungen wegen des Laufes fuhren wir direkt in einen Stau., was die Kommunikationsbereitschaft unseres Fahrers nicht unbedingt steigerte. Nach 20min stockendem Verkehr erreichten wir mit leichtem Schüttelfrost und eingeschlafenen Beinen endlich das Hotel und fielen nach kurzem Duschen in unsere Betten, um erst einmal ein wenig zu ruhen.

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Nach der ersten Erholung kauften wir noch das Nötigste für unsere bevorstehende Zugfahrt mit der Transsib am morgigen Samstag und jetzt genießen wir den Abend bei ein paar russischen Bier und, falls es der Körper zulässt, mit einer guten Flasche Russian Standard Vodka.

Wir melden uns morgen mit dem letzten Status vor der Transsib und sind dann am Ende der Reise mit unserem Fazit und ein paar Abenteuern aus dem Zug wieder für Euch da!

J.A.F.

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